zählt zum monderoberungsjahrgang 1969
ist ottermensch und wasserfrau
floh direkt nach dem abi aus dem sauerland
wurde in bochum filmwissenschaftlerin ma.
volontierte zeitgleich zum examen zur fernsehredakteurin
drehte im jahr 2000 dem fernsehen den rücken zu und arbeitet seitdem als
freie autorin für printmedien
roman-autorin für erwachsene und jugendliche hundetrainerin in der eigenen hundeschule HUNDherum fit! im ruhrgebiet
was schreiben eigentlich bedeutet
wann haben sie mit dem schreiben angefangen?, werde ich oft gefragt -besonders von den kindern in meinen schul-lesungen, die sich vorstellen, bücher schreibt man erst, wenn man etwa fünfzig ist (also so gut wie tot) und nichts anderes mehr zu tun hat, als mit rheuma im schaukelstuhl zu sitzen und sein leben zu erzählen.
wenn ich ihnen dann erkläre, dass ich mit dem schreiben angefangen habe, als ich in ihrem alter war, klappt den meisten der unterkiefer runter.
und dann geht es weiter und ich erzähle ihnen, dass ich natürlich nicht mit romanen angefangen habe, sondern mit tagebüchern, mit hunderten von briefen, mit kleinen geschichtchen und gedichten. faszinierend, in wie vielen augen plötzlich ein blitzen zu erkennen ist. denn so was, mensch, das machen sie ja auch. und wer weiß, vielleicht kann ja auch aus ihnen mal eine schriftstellerin werden?
mein schreiben begann in der teenagerzeit, tragische, dramatische, unglückliche zeit mit unglaublicher sehnsucht (wonach nur?), unstillbarem hunger (nie satt werden!) und dem bedürfnis, mich selbst zu ergründen bis auf dem tiefsten boden hinunter.
letzteres habe ich bis heute noch nicht geschafft. vielleicht schreibe ich deswegen immer noch. vielleicht aber auch, weil ich auf meinem weg entdeckt habe, wie viel freude es macht, geschichten zu erfinden.
in dem augenblick, in dem ich entscheide, welche figuren miteinander zu tun haben und in welcher form, wie sie reden, lachen, sich bewegen, in diesem augenblick bin ich selbst eine göttin, die neues leben schafft. und das macht süchtig. ja, ich gestehe: ich bin inzwischen ein schreib-junkie - und zwar mit voller leidenschaft. deswegen höre ich auch nie auf mit dem schreiben. wenn das eine buch sich gerade mal dem ende nähert, steht das nächste bereits am start, und manchmal auch mehr als nur eins und ich weiß gar, woher die zeit nehmen, um all das zu papier zu bringen, das sich mir da geradezu aufdrängt.
es ist ein faden, der nie abreißt, ein beständiger strom, der hoffentlich nie versiegen wird.
wieso hunde dazugehören
seit es menschen gibt, leben sie mit hunden zusammen. aber aus der anfänglichen nutzgemeinschaft ist inzwischen ein ganz anderes verhältnis geworden. die wenigsten hunde in deutschland sind arbeitspartner beim hüten, schützen, begleiten von behinderten oder blinden. die meisten unter ihnen sind ganz einfach mitglieder ihrer familien. meine hunde sind stets fest verwebt mit meinem leben und auch arbeiten. sie tauchen in meinen geschichten auf - weil sie aus meinen tagen nicht wegzudenken sind. und sie sind meine arbeit, indem ich meine eigne hundeschule betreibe, in der familienbegleithunde erzogen und ausgebildet werden.
hunde stellen einen wichtigen bezug zur natur dar. sich mit ihnen zu beschäftigen, ihre verhaltensweisen zu studieren und mit ihnen täglich umzugehen, gibt mir das gefühl, noch nicht ganz versumpft zu sein im zivilisationschaos der betonstädte und abstrakten denkvorgänge.
meine spaniel-hündin lotte, ein echtes weichei und zugleich ball-junkie, begleitet mich fast überall hin und liegt auch bei lesungen neben mir. als ausgleich tue ich ihr den gefallen und betreibe mit ihr gemeinsam ihre lieblingsbeschäftigung: agility!
die arbeit mit ihr bringt regelmäßig etwas fertig, das nur selten geschieht im alltag: sie bringt meine gedanken zum schweigen. das grübeln und nachdenken, das fortwährende ich-muss-noch-dies-das-jenes, das rasen und hetzen ... futsch ist es, wenn ich mit lotte trainiere und mich ganz auf unser zusammenspiel konzentriere.
diese fast meditative wirkung haben auch andere tiere auf mich. das reiten zum beispiel oder die beschäftigung mit faszinierenden lebewesen wie gottesanbeterinnen oder elefanten oder braune hyänen bis zu den menschenaffen. doch keines dieser tiere ist mir so vertraut wie der hund und deswegen gehört der einfach dazu.
der schatz in meinem leben: freundinnen
etwas gibt es im leben, auf die ich unter gar keinen umständen würde verzichten können und meine bücher sind voll davon: freundinnen!
in meinen geschichten sind sie meistens nett und stehen den protagonistinnen zur seite, manche sind leicht verschroben, obercool, weise, altklug, nervig ... eben wie sie im wirklichen leben nun einmal so sind.
ich habe in meinen freundinnen eine art familie, auf die ich mich verlassen kann, in der ich ein teil vom ganzen sein kann, die mir geborgenheit, sicherheit und wärme gibt. hier gehöre ich hin. hier kann ich sein. und dass ich ihnen meine bücher widme, ist kein bewusst gewähltes dankeschön, sondern es ist so selbstverständlich wie die liebe zu ihnen selbst.
geschichtenerzählerin sein!
was ist eigentlich popelige unterhaltungslektüre und was ist gehobene literatur?
ist euch auch schon aufgefallen, dass da speziell in deutschland ein echt pingeliger unterschied gemacht wird, an dem keine leserin vorbeikommt?
welche meine meinung zu diesem thema interessiert, der sage ich gern: sicherlich macht es auch spaß, sich ein buch vorzuknöpfen, in dem auf minimalistische weise mit auslassungen gearbeitet wird, es vor stilmitteln nur so wimmelt und eine völlig innovative sprache (so meist die kritiken) erfunden wird. (auch mir macht so ein buch hin und wieder spaß - immerhin habe ich auch germanistik studiert.)
aber mal ehrlich ... wer außer den kritikerInnen und sprachwissenschaftlerInnen will schon tage und nächte mit so was zubringen?
das, was ich in büchern und filmen suche, sind GESCHICHTEN!
und damit meine ich das extrem der rein fiktiven erzählungen ebenso wie authentische biographien.
GESCHICHTEN leben von den figuren, leben von ihren macken und kanten (gott sei dank auch hin und wieder von ihren rundungen), den alltäglichkeiten und allem, was denen trotzt.
ich will beim lesen vergessen, dass ich mir einen tee aufgegossen habe. ich will grinsen und natürlich auch die eine oder andere träne verdrücken. ich will die jahreszeiten riechen, will parfüme erschnuppern oder auch den duft einer mahlzeit. ich will kopfüber von meinem sofa-lieblings-lese-platz hineinstürzen in die seiten und mich nur ungern stören lassen. nichts anderes als dass ich diese geschichte erleben kann, erwarte ich von einem buch ... aber das erwarte ich.
warum eigentlich jugendbücher?
wenn ihr gelesen habt, was ich von einem buch erwarte wundert es schon nicht mehr, dass ich jugend- und kinderbücher liebe und sie selbst schreibe. denn alles, was jünger als sechzehn ist, lässt sich ganz einfach nicht einlullen von innovativer sprache und metaphernreicher andeutungen. junge menschen wollen hineingezogen werden in einen zauber, der sich um sie herumlegt. und je größer die konkurrenz durch fernsehen und virtuelle welten wird, desto fesselnder und knallharter, verführerischer und ideenreicher müssen die bücher sein, die es damit aufnehmen.
mir selbst wurde als kind von meinen eltern vorgelesen, zum beispiel aus der löwe ist los oder der kleine dicke ritter. ich habe die fünf freunde und geheimagent lennet verschlungen und war fasziniert von mädcheninternatsgeschichten (wer grinst da?). das heißt, ich hab mir die volle dröhnung gegeben. der lieblingsautor meiner kindheit und jugend war michael ende, weil er es verstand, in unrealistischen welten etwas über das tatsächliche leben zu erzählen.
meine eignen jugendbücher sind bisher aber wenig fantastisch, sondern realitätsbezogen: sie handeln von einem mädchen im gefängnis (Katta@Frauenknast.de), von einem, das von zuhause ausreißt (Ein Stück meines Herzens), von zwei mädchen und einem jungen, die einer hundefängerbande auf die spur kommen (Die Grubenhunde) , von zwei mädchen, die sich ineinander verlieben (Flug ins Apricot und Apricot im Herzen) ...
ich schreibe die jugendbücher mit dem anspruch, dass auch vierzehnjährige nicht verarscht werden sollten. eine liebesgeschichte zu beenden mit dem ersten kuss ist für heutige sechzehnjährige nicht nur scheuklappen-wirklichkeitsfremd, sondern auch gähnend langweilig.
schade nur, dass immer weniger jugendliche lesen. zum kreischen, wenn ich auf lesungen an schulen mal wieder erfahre, dass von 70 schülerInnen in der zehnten klasse vielleicht gerade mal 6 schon mehr als 20 bücher gelesen haben.
aber die wenigen, die begeistert sind von den geschichten in büchern und ganz besonders die, die es wagen, zu erzählen, dass sie selbst tagebuch, gedichte und kleine geschichten schreiben, die spornen mich immer wieder aufs neue an. ich sehe mich selbst in ihnen, als ich teenager war und das schreiben für mich mal flucht, mal therapie, aber immer eine wunderbare andere welt bedeutet.
wieso ich fernsehen nur manchmal mag
sensationen! sentsationen!
die schlagzeilen schreien uns täglich mit immer
neuen, immer verrückteren news an. als ich
begann an der ruhruniversität theater-film-und-
fernseh-wissenschaften zu studieren, hatte
ich vor augen, später einmal drehbücher
und dramen zu schreiben ... wieder einmal
geschichten, die mich zu etwas trieben.
doch leider stellte sich dieser plan als etwas
blauäugig heraus. drehbücher werden nicht
an jeder straßenecke gekauft und daher begann
ich bereits während meines letzten studienjahres ein volontariat zur fernsehredakteurin bei einer dortmunder filmproduktionsfirma. ich arbeitete dort und nach meiner ausbildungszeit als freie für diverse magazine an verschiedenen sendern und nach diesem blick hinter die kulissen ist meine meinung vom fernsehen keine hohe mehr.
michelin schwarz, protagonistin in Die schönen Mütter anderer Töchter und ihreszeichens fernsehredakteurin, sagt: Fernsehen ist entsetzlich. Es verfälscht die Wahrheit wie kein anderes Medium, denn es gaukelt den Menschen vor, `alles mit eigenen Augen gesehen zu haben´. Emotionen werden geweckt, wo sie fehl am Platz sind, und abgestumpft, wo sie doch wüten sollten.
dem habe ich echt nichts hinzuzufügen.
Mirjam