Trennung
Der Tacho ist kaputt, hab ich gesagt. Er rast mit dem Wagen so wie er lebt: Immer auf der Überholspur. Seine Karriere geht vor. Seine Kumpels gehen vor. Und sie hat Angst, wenn er derart rast. Ein Idiot ist er. Ein Egoist. Ein Schlappschwanz. Muss sich abreagieren durch diese Hetzjagd. Weil sie seit Wochen nicht mehr Ja und Amen zu allem sagt. Bei Kilometer 210 fällt ihre Entscheidung plötzlich: Weg! Weg von ihm! Aber das sagt sie ihm nicht jetzt sofort, sie ist ja nicht lebensmüde.
Begegnung
Lebensmüde Frauen trampen.´ Aber ich? Als jetzt der alte Passat anhält, sinkt mir das Herz in die Hose. Hoffentlich kein Schmiertyp, der mich nur befingern will. Das habe ich mal erlebt. Aber er grinst nur. Nach Frankfurt? - Klar. Wir stehen sofort im Stau. Woher kommst du. Wohin willst du. Standartfragen. Aber er stellt sie netter als die anderen. Ein süßes Lächeln. Er will auch zum Konzert! Ich glaub´ s nicht. Einer, der meine Musik mag! Sollen wir zusammen hingehen?
Alter
Hingehen und gehen lassen. Menschen loslassen, die gehen wollen. Albert ist da keine Ausnahme gewesen. Mit ihm ist sie oft diese Strecke gefahren, zu den Kindern. Das ist noch nicht lange her. Eine Pause mussten sie schon damals immer machen. Um Kaffee zu trinken und Kraft aufzutanken. Auch ihre Arme werden jetzt rascher müde. Sie fährt nicht gern schnell, braucht länger für gewohnte Strecken. Hier hat er immer gesagt: Schau, Else, da vorn halten wir mal, Rastplatz Rölveder Mühle.
Jugend
Rölveder Mühle klingt nett. Hier? Hier! Sie werden ein wenig nervös. Aber der Parkplatz ist so gut wie leer. Schwitzige Hände kleben. Beruhigt Küssen? Eher nicht. Es ist eben der Beginn. Weiche Zungen tanzen und das Schnurren aus ihren Kehlen ist die Musik dazu. Wohliges Erschaudern. Tiefe Blicke. Pragmatische, kurze Pause, als ein Reißverschluss klemmt. Auch wirklich niemand in der Nähe? Oh, die Scheiben be- schlagen schon. Sie werden auffallen, aber egal. Alles egal.
Tod
Egal ob von hüben oder drüben: Es tritt aus dem Gebüsch. Die Nase erhoben, die Augen feucht von Aufregung. Gefahr als Witterung. Aber warum? Aber wovor? Laut ist es hier. Und es stinkt. Aber kein Feind ist zu sehen. Nichts, was vor dem Tier stehen bleibt und es mit blitzenden Zähnen bedroht. Relative Sicherheit. Ein Schritt hinaus. Und stummes Entsetzen. Und schon kein Bewusstsein mehr. Beinahe unbemerkt. Ein Fellbüschel fliegt auf und lässt sich davontragen vom Wind.
Geburt
Wind kommt auf, bestimmt bald ein Sturm und Gewitter. Das Schwierigste kommt noch... Ihr Bauch, versteckt unter dem unförmigen Kleid, sieht aus wie ein Kürbis. Die nächste Ausfahrt! Es wird ein Mädchen. Als Kind wollte Frank immer eine Schwester haben... Eine Tochter! Und alles wird gut gehen. Nur nicht so viele Schmerzen, bitte! Mara lächelt ihn an. Und wenn die Kleine nur ihre Augen hat. Oh, Glücksgefühl beim Blinkersetzen. Es sinkt der Tacho.
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Unterwegs auf der Autobahn | |
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