Als ich am Morgen aufwache, fällt mir als erstes ein, daß es heute genau zwölf Jahre sind. Ich höre Konni im Bad rumoren. Es sind diese vertrauten Geräusche von Gurgeln und einer Zahnbürste, die gegen den Spiegel schlägt beim Zurückstellen in den Becher. Dann wird die Dusche aufgedreht und das verhaltene Quietschen von nackten Füßen im weißen Keramik teilt mit, daß Konni ihre allmorgendliche nasse Erfrischung nimmt.
Ich liege mit geschlossenen Augen wach. Ihn Gedanken folge ich jeder ihrer Bewegungen. Die schlanken Hände, die nach dem Duschgel greifen und den weichen Körper einseifen, über die Brüste mit den dunklen Warzen streifen bis hinunter zum braunschwarzen Kraushaar. Der leicht geöffnete Mund, von dessen immer roten Lippen das Wasser in kleinen Bächen heruntertropft. Ich weiß nicht, wie sie das immer noch schafft. Ich brauche nur an sie unter der Dusche zu denken und schon bekomme ich Lust zum Lieben.
In all den Jahren hatte unsere Leidenschaft nicht nachgelassen. Natürlich gab es maue Zeiten mit Hektik und Streß, oder voll Zank und Streit. Aber jedes Mal, wenn diese Phasen vorüber waren, stürzten wir uns aufeinander wie zwei Verdurstete und wir liebten uns häufig und lange und, vor allem, voller Vergnügen.
In wenigen Minuten wird Konni in ihrem abgetragenen Frotteebademantel aus dem Bad kommen, um mich liebevoll mit einem Kuß zu wecken. Wie einfach wäre es dann, die Arme um ihren Hals zu schlingen und sie noch einmal zurück ins Bett zu ziehen. Es ist Samstag, und keinerlei Verpflichtungen warten auf uns.
Ich streife vorsichtshalber schon mal das Pyjamaoberteil ab und lege mich im Bett zurecht. Das Verrückte ist nur, und es ist wirklich absolut verrückt, daß die ganze Zeit eine Zahl in meinem Kopf herumgeistert. Die Zahl Zwölf. Bäh, sie wird mir noch den ganzen Tag vermiesen, diese Zahl. Sie ist so verdammt mystisch und metaphorisch. Zwölf Monate hat das Jahr. Jesus hatte zwölf Jünger. Uhren haben zwölf Striche, an denen der Zeiger entlang wandert.
Im Bad wird das Wasser der Dusche abgedreht. Die Tür ist dünn. Ich kann sogar hören, wie Konni sich mit energischen Bewegungen abfrottiert, und wie sie die Lotion auf ihrer Haut verteilt und mit ruhigen Bewegungen einreibt.
Und da fällt mir, so ganz ohne Zusammenhang, der defekte Toaster ein. Er braucht seit ein paar Monaten vor jedem Toastvorgang einen kleinen Klaps von links. `Ein Wackelkontakt´ hatte Konni damals auf ihren Notizblock geschrieben. Ich weiß nicht, warum wir ihn nicht reparieren lassen. Wir müssen ihn jedesmal schubsen, wenn wir eine Scheibe getoastetes Brot haben wollen. Meistens lacht eine von uns, oder beide. Ist ja auch verrückt, wenn der Toaster als guten Zuspruch so einen Klaps braucht. Wir lachen darüber, aber ein wenig ärgerlich ist es schon. Besonders, weil das mit dem Klaps nicht immer ganz hundertprozentig funktioniert.
Jetzt wird im Bad der Frotteemantel vom Haken genommen. Ich schließe die Augen. Die Tür wird geöffnet. Weiche Füße tapsen über den Teppich zum Bett herüber. Die Matratze bewegt sich. Konni hat sich aufs Fußende gesetzt. Bestimmt hockt sie dort mit nassen Haaren und betrachtet mich. Das tut sie nach all den Jahren immer noch gern. Vor allem, wenn sie weiß, daß ich nur so tue, als schliefe ich. Wir kennen uns so lange und so gut, wir können uns in solchen Dingen nicht mehr an der Nase herumführen. Und während Konni weiß, daß ich weiß, daß sie mich betrachtet und weiß, daß ich nur so tue, als würde ich schlafen, währenddessen weiß ich, daß Konni weiß, daß ich weiß...
Oh, es könnte ein so schöner Morgen sein.
Konni beginnt, meine Füße zu streicheln. Bestimmt wird sie sie auch küssen und ihren Mund hinauf wandern lassen an meinen Beinen. Ich kann es schon jetzt spüren, wie die Gute Laune des Tages langsam von mir Besitz ergreift und sich hinaufschleicht, von den Zehen aufwärts ins Herz.
Konni knabbert an meinem Fußgelenk. Meine spezielle Vorliebe. Mindestens Gänsehaut am ganzen Körper, und meine Brüste reagieren. Das mag Konni daran so gern. Denn wenn sie dann auftaucht aus den Tiefen der Bettdecke, wird sie auf diese Weise bereits aufs Angenehmste in Empfang genommen.
Aber als Konni bereits am Bauch angelangt ist, nehme ich ihr Gesicht sanft zwischen meine Händen. Konnis fragender Blick, aber ich schüttele langsam den Kopf. Seufzen. Murren. Aber ich bleibe hart. Natürlich wäre es schön. Aber es geht nicht, heute nicht. Vor zwölf Jahren begann der Morgen nicht so zärtlich, sondern mit einem handfesten Krach.
Was heißt denn, du hast kein Bedürfnis? Seit drei Wochen schlafen wir nicht miteinander. Ist das vielleicht normal? Wir haben noch nie so lange keinen Sex gehabt, nicht mal während deiner Examensarbeit. Ich war echt sauer. Irgend etwas lag in der Luft, schon seit Wochen. Diese komische Stimmung zwischen uns bestand nicht erst seit der Sexabstinenz, die wirklich ungewöhnlich war für unsere zehnjährige Beziehung.
Kein Bedürfnis, wiederholte Konni störrisch. Das bedeutet, daß mir momentan einfach nicht danach ist. Ich habe viel zu tun und bin gestreßt.
Ja, zu gestreßt, um mit mir ins Kino oder ins Theater oder einfach durch den Wald zu gehen. Jeden Abend sitzt du im Büro und zeichnest und rechnest und denkst wahrscheinlich nicht mal an mich.
Das schlimme daran war, daß sie nicht allein in diesem Büro saß. Um dem Ansturm der neuen Aufträge Herr zu werden, war eine neue Mitarbeiterin eingestellt worden. Eine knackige Einundzwanzigjährige, die zu allem Überfluß auch noch den klingenden Namen Theres trug. Und mit der hockte meine Geliebte nun Abend für Abend zusammen, während ich allein zu Hause im Lesesessel schmollte.
Konni zog eine entschuldigenden Miene. Dieses Gesicht hatte ich in letzter Zeit einfach zu oft an ihr gesehen.
Warum guckst du so?
Wie gucke ich denn?
So! Ich ahmte ihren belämmerten Blick nach.
War mir dessen nicht bewußt, Konni schwang ihre langen Beine aus dem Bett und schlüpfte direkt vor meiner Nase ins Bad.
Beim Frühstück starrte sie in ihre Zeitung. Damit meine ich, daß sie nicht las, sondern einfach nur auf eine Zeile starrte, ohne die Augen zu bewegen. Sogar als ich ihr Kaffee nachschenkte, hob sie nicht den Blick.
Spuck es aus! sagte ich daraufhin. Ich kannte sie für ihren Geschmack manchmal zu gut.
Daher versuchte sie auch erst gar nicht, um den heißen Brei zu reden.
Die Party heute abend, begann sie. Wann sollen wir da sein?
Wütend werden? Kreischen? Teller schmeißen? Ich taktierte kurz den frisch gewischten Küchenboden und entschied mich für die Märtyrerschiene: Wann kannst du nachkommen?
Könnte später werden. Nun, das war ein recht schwammiger Begriff.
Ich legte meine Toastscheibe zurück auf den Teller.
Das bedeutet also, daß ich wieder allein hingehen werde?
Dieser gesenkte Blick!
Tut mir... das leid ging in ihrer Kaffeetasse unter.
An diesem Morgen fiel zwischen uns bis zum Abschiedskuß vor der Haustür kein Wort mehr. Ich schwieg, um meine Mißbilligung deutlich zum Ausdruck zu bringen. Und Konni sagte nichts, weil ihr schlechtes Gewissen es ihr verbot, oder weil sie fürchtete, ich könne sogleich eine Diskussion anfangen, wenn sie den Mund öffnete.
Heute, ganz plötzlich, nach mehr als einem Jahrzehnt, wünsche ich mir, ich hätte damals nicht den Mund gehalten. Sie mit Worten an die Wand nageln, das hätte ich sollen. Ich wette, dann wäre alles anders gekommen.
Wie viele Morgende haben wir so schon verbracht. Diese Rituale, die eine lange Beziehung begleiten, sie macht den Kaffee und deckt den Tisch, ich flitze über die Straße zum Bäcker und besorge die frischen Brötchen. Dann sitzen wir uns gegenüber, mit der leisen Untermalung von klassischer Musik im Hintergrund. Konni sieht mich liebevoll an, reicht mir die Milch, bietet mir von ihrem Spezial-Käse an, und ich könnte mich so richtig sauwohl fühlen in meiner Haut.
Statt dessen bleibt mir jeder zweite Bissen fast im Halse stecken. Was für eine bekloppte Idee, plötzlich über etwas nachdenken zu wollen, das doch schon seit so langer Zeit so ist.
Konnis zärtliche Blicke werden fragender. Als ich schließlich an einem Salamistück fast erstickt bin und nur wildes Klopfen auf den Rücken mich retten konnte, greift sie zum Notizblock und kritzelt eilig darauf: Spuck es aus! und damit meint sie nicht den Rest des Brötchenstückes, an dem ich immer noch herumwürge.
Sie kennt mich so gut.
Mit dem Stift in der Hand sitze ich hier wie belämmert und mir fällt nicht ein einziges Wort ein, das ich auf den Zettel schmieren könnte, auf den sie erwartungsvoll blickt. Ihre Augen verraten sie immer. Das war damals auch so.
Die Party bei Ida war nicht gerade brennend interessant. Meine beste Freundin Natalie, mit der ich gerechnet hatte, tauchte einfach nicht auf, und mit dem anderen Volk konnte ich kaum etwas anfangen. Schließlich bat ich Ida, in ihrem Arbeitszimmer rasch telefonieren zu dürfen.
Bei uns zu Hause ging niemand dran. Konni war also auch noch nicht zurück. Natalie dagegen hob sofort ab.
Jawohl? krächzte sie in den Hörer.
Ich bin es. Ich sitze hier bei Ida und werde gleich einschlafen vor Langeweile. Wann kommst du?
Gar nicht, Herzchen, ich liege mit Angina im Bett.
Ist das deine Neue?
Nein, das ist eine Halsentzündung, die ich von meiner letzten habe. Wir gackerten ein wenig.
Natalie, ich mach mir Gedanken um Konni. Können wir uns treffen und in Ruhe reden?
Ich bin noch ansteckend, Süße, aber sag doch, worum es geht. Wo steckt sie denn? Ist sie im Partyraum?
Partyraum? Schön wär´s. Sie ist mal wieder nicht mitgekommen, sondern hockt im Zeichenbüro. Zu viel zu tun. Es ist immer das selbe in letzter Zeit. Ich sehe sie kaum noch. Ich habe Angst, sie überarbeitet sich.
Schweigen am anderen Ende der Leitung.
Natalie?
Hm.
Warum sagst du nichts?
Arbeitet sie mit dieser Neuen zusammen, wie heißt sie noch gleich, Thes?
Sie heißt Theres. Wieso fragst du?
Wieder Stille. Ich bin es nicht, ich bin es nicht, ich bin nicht eifersüchtig! Warum mußte sie diese Frau jetzt erwähnen?
Natalie!
Schon gut, schon gut. War nur so ein Gedanke. Sie war mir einfach nicht ganz geheuer, etwas zu ... anbiedernd, verstehst du. Aber du kennst Konni besser als ich. Du wirst schon wissen, daß du ihr vertrauen kannst.
Ich vertraute Konni hundertprozentig.
Hast du etwas bemerkt?
Bemerkt? Ich verstehe nicht.
Als wir neulich das Essen hatten, zu dem Konni Theres eingeladen hatte. Ist dir da etwas aufgefallen zwischen Konni und dieser... dieser...?
Schlampe?
Natalie! Warum sollte ich sie Schlampe nennen?
Weil sie eine ist!?
Woher willst du das wissen?
Herzchen, eins sage ich dir: Ich bin zwar nicht so beziehungserfahren wie du, aber ich habe viele Frauen kennengelernt, und ich weiß, wenn ich eine Schlampe vor mir habe.
Natalie, ich bin Feministin, und ich finde, keine Frau sollte eine andere so nennen. Das ist ein sehr unschönes Wort! Das Teufelchen in mir hoffte, sie würde es noch mal sagen.
Süße, ich teile deine politische Überzeugung. Aber wenn eine Frau herumläuft und versucht, Beziehungen zu zerrütten, dann verdient sie keinen anderen Namen als... Sie sagte es noch mal. Aber es befriedigte mich nicht. Ich war zu aufgewühlt.
Stopp! Jetzt sag mir mal, wie du eigentlich auf die Idee kommst, daß Thes.. äh... Theres eine dieser Frauen ist?
Natalie erging sich minutenlang in vagen Andeutungen und Vermutungen, die offensichtlich nur dazu dienten, mich noch eine Weile am Telefon festzuketten und mich nur noch mehr beunruhigten.
In Ordnung, Natalie. Hör zu, vielleicht ist es besser, wenn du dich meldest, sobald es dir besser geht, und dann komme ich dich besuchen, ok?
Nachdem wir aufgelegt hatten, saß ich eine Weile auf dem Schreibtisch und starrte vor mich hin.
Theres also. Natalie hatte auch sofort daran gedacht. Also kein Hirngespinst von einer chronisch eifersüchtigen Mittdreißigerin, die plötzlich Konkurrenz von einer Jüngeren fürchtete. Keine Midlife-crisis, nein, ein ernsthaftes Problem.
Aber ich sollte mich nicht selbst in Panik versetzen. Vielmehr sollte ich mich an das Gefühl der Sicherheit erinnern, das sich allmählich entwickelte, wenn man sein Leben seit zehn Jahren mit jemandem teilte. Konni war die Treue in Person.
Zumindest bei mir war sie das. Vor mir hatte sie schon zwei Beziehungen geführt, und in der zweiten, das hatte sie mir erzählt, war sie nicht besonders glücklich gewesen. So hatte es geschehen können, daß sie sich auch für andere Frauen interessierte, und schließlich war sie darin zu weit gegangen und hatte...
Ok, es konnte nicht schaden, wenn ich mal rasch beim Büro vorbeifuhr. Es lag ja beinahe auf dem Heimweg, nur ein klitzekleiner Umweg. Und sie würde sich freuen. Bestimmt würde sie sich freuen.
Ich stahl vom kalten Buffet einen hoch beladenen Teller und türmte damit.
Auf der Autofahrt schwankten die Käsespieße in jeder Kurve bedenklich. Was noch viel mehr schwankte, war meine Stimmung. Einmal freute ich mich auf Konnis strahlendes Gesicht, wenn sie plötzlich mit einem übervollen Teller der leckersten Sachen überrascht würde. Dann wieder, vollkommen unbegründet, stellte ich mir vor, wie sie ein wenig verlegen fragte: Du hast doch nichts dagegen, wenn wir es uns teilen?
Und dieses wir machte mich fertig. Es existierte nur in meinem Kopf, aber es machte mich trotzdem ganz wild. Überhaupt war der Weg zum Büro heute abend länger als sonst. Es waren natürlich die gleichen Straßen, aber jede Ampel war rot und an jedem Zebrastreifen stand eine alte Oma mit einem rheumakranken Dackel.
Ich haßte alles, was sich vor mir nicht schneller bewegte als mindestens mit 70 Stundenkilometer.
Im Büro brannte tatsächlich noch Licht. Auf dem Parkplatz standen zwei Autos. Konnis klappriger Ford und ein aufgemotztes Käfer-Cabriolet. Der Käfer gehörte Theres.
Konni sieht mich immer noch erwartungsvoll an. Ich krakele ein wenig herum, bis schließlich auf dem Notizblock verschiedene Worte stehen: Ich. Damals. So lange. Will. Will. Will. Endlich wieder.
Konnis Gesicht wird ausdruckslos. Wie immer, wenn ich dieses Thema anschneide. Sie nimmt mechanisch einen Schluck aus ihrer Tasse und legt eine Scheibe Weißbrot in den Toaster. Als sie ihm einen kräftigen Schubs von links geben will, ergreife ich ihre Hand. Auf den Notizblock schreibe ich: Wir sind wie er. Er sollte repariert werden.
Sie reißt den Stift so heftig an sich, daß er fast in zwei Teile bricht. Auf die nächste Seite schreibt sie in aller Eile: Er funktioniert! Wenn wir ihn zu reparieren versuchen, geht er vielleicht kaputt.
Ich blicke in ihr erhitztes Gesicht mit den vor Aufregung glänzenden Augen. Jede einzelne ihrer Falten habe ich über die Jahre kommen gesehen und kenne sie auswendig. Ihr geht es mit meinen ebenso. Ebenso wie ich möchte sie nicht auf diesen Anblick verzichten müssen. Aber es muß einen Ausweg geben. Zwölf Jahre sind genug.
Sage und schreibe eine halbe Stunde stand ich nun schon vor dem Büro und konnte mich nicht entschließen, hinaufzugehen. Ich hatte einen Schlüssel der Tür an meinem Bund, für Notfälle.
War dies ein Notfall? Gegebenenfalls, Konni und Theres wälzten sich dort oben stöhnend über das Besuchersofa. Dann war das ein Notfall für mich. Für Konni wohl weniger. Für Theres eindeutig, denn ich würde sie wohl umbringen müssen. Mindestens. Diese... nein, ich würde es nicht denken!
Nach einer Dreiviertelstunde steckte ich endlich den Schlüssel ins Schloß und betrat leise den Hausflur. Lauschend blieb ich auf jeder zweiten Stufe stehen. Auf dem letzten Absatz hörte ich ein helles, munteres Lachen. Dem antwortete ein weiteres, Konnis Stimme. Mein Magen drehte sich um. Ich kannte ihr Flirtlachen genau.
Nun trennte mich nur noch die Bürotür von den beiden kichernden Frauenstimmen. Meine Hand auf der Klinke, versuchte ich die Worte zu verstehen.
Nicht so! sagte Konni gerade und brach dann in Gelächter aus. Ich mußte daran denken, wie kitzelig sie ist.
Aber ich mache es immer so, gurrte Theres.
Dann zeig mir mal, wie du es immer machst, erwiderte Konnis Samtstimme.
Ich riß die Tür auf und stand bereits mitten im Raum, bevor irgend jemand vor Überraschung auch nur den Mund aufsperren konnte.
Konni und Theres saßen eng aneinandergeschmiegt an einem der Zeichentische. Theres hatte den Arm um Konni gelegt, der jetzt aber von der Schulter herunterrutschte. Beide starrten mich mit weit aufgerissenen Augen fassungslos an.
Hallo, wer kommt denn da so herein gewirbelt?! sagte Theres, nachdem die erste Schrecksekunde verflogen war.
Schlampe! knurrte ich.
Theres´ Mund schloß sich mit dem Geräusch von aufeinanderschlagender Zähne.
Konnis Unterkiefer dagegen klappte herunter.
Da schaust du! fauchte ich sie an. Ahnungslos will ich dir dein Abendessen bringen und da werde ich Zeugin so einer Sache! Das ist ja zum Erbrechen!
Da erst löste sich Konnis Starre.
Moment mal! Sie schüttelte Theres endgültig ab und stand auf. Was meinst du denn damit?
Was ich damit meine, liegt ja wohl klar auf der Hand. `Dann zeig mir doch mal, wie du es immer machst...´, äffte ich sie nach. Und wie ihr auseinander gesprungen seit!
Konni sah mich wieder sprachlos an. Aber dann baute sie sich in voller Größe vor mir auf.
Soll ich euch lieber allein lassen? meldete sich Theres.
Klappe! sagte ich. Konni und ich maßen uns mit Blicken.
Wie kannst du nur so etwas denken? sagte Konni schließlich. Es war gar nichts dabei. Und wen du nicht so hereingeplatzt wärest, wären wir auch nicht so erschreckt. Du bist ja hier hereingepoltert wie... Sie musterte mich eingehend. Wo ist denn das Abendessen, wegen dem du hergekommen bist?
Ich hatte den Teller im Auto vergessen.
Du spionierst mir nach! stellte Konni mit zusammengebissenen Zähnen fest. In deiner blinden Eifersucht kannst du an nichts anderes denken, als daß ich dich betrüge.
Das ist nicht wahr, erwiderte ich, etwas überzeugungsschwach. Ich wäre nie auf den Gedanken gekommen, wenn du nicht in den letzten Wochen immer weniger Zeit...
Ich hatte viel zu tun, verdammt noch mal! Glaubst du, ich treibe es hier hinter deinem Rücken mit noch fast Minderjährigen?
Meinst du mich damit? plärrte Theres aus dem Hintergrund.
Klappe! riefen wir diesmal beide wie aus einem Mund.
Ich habe dich ja nicht sofort verdächtigt. Aber gerade telefonierte ich mit Natalie und sie hat mich auf diese Idee gebracht und...
Du willst doch wohl jetzt nicht Natalie die Schuld für deine idiotische Eifersucht in die Schuhe schieben! Und was ist das für eine Beziehung, in der du zuerst mit deinen Freundinnen über unsere Probleme sprichst und nicht mit mir?!
Du lenkst ab! rief ich. Habe ich doch Recht?!
Konni wandte sich um, griff ihre Jacke vom Kleiderhaken und starkste steif an mir vorüber. An der Tür wandte sie sich noch mal um.
Ich fahre jetzt heim, sagte sie. Und dann sagte sie noch etwas: Entweder du entschuldigst dich bei mir, oder ich sprech kein Wort mehr mit dir!
Ich schubse den Notizblock zur Seite, er fällt vom Tisch. Konni sieht ihm mit großen, fragenden Augen hinterher.
Es tut mir leid, hören wir beide mich sagen. Es tut mir leid um die sprachlosen Jahre. Können wir es aufholen? Möchtest du jetzt noch mal mit mir ins Bett?
Ja, sagt Konni.
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