Kurzbeschreibung

Ist Monogamie künstlich erzeugbar?
Die ehrgeizige Institutsleiterin Ines van Hauser stellt die Forschungen ihres Hauses für ein gewagtes Fernsehprojekt zur Verfügung.
"Das Labor" will täglich ausstrahlen, was Wissenschaftler und Probanden in den Versuchsräumen herauszufinden versuchen: Binden sich die Versuchshunde tatsächlich ausschließlich an einen einzigen Sozialpartner Mensch?
Nicht nur Tierversuchsgegner interessieren sich für die Experimente. Eine Partnervermittlungsagentur will das Rezept kaufen. Selbst die Regierung wähnt darin die Chance auf abrupt fallende Raten von Scheidungen und Unterstützung für Alleinerziehende. Sofern die Versuche auf den Menschen übertragbar seien! Doch mit Versuchen an Hunden allein ist nicht viel zu beweisen.
Als die Wissenschaftlerin Doktor Kim Richardson sich zunehmend zu ihrer distanzierten Kollegin Desiree hingezogen fühlt, stellt sich die Frage: Kann sie sicher sein, nicht selbst Teil des Experiments geworden zu sein?
(...)

"Der Tag heute wird spannend", sagte Desiree.
"Ich glaube, Barbara und Humphrey werden alle Erwartungen toppen", stimmte Kim ihr zu. "Zwischen ihnen ist ein Band geknüpft, das noch intensiver ist als das zwischen den anderen Teams."
Da war es schon wieder. Kims ganz persönliche Beteiligung. Sie vertraute auf ihr Gefühl und ließ Dinge in ihre Untersuchung einfließen, die nicht messbar waren.
"Tatsächlich? Was glauben Sie, woran das liegen könnte, sollte das wirklich so sein?", wollte Desiree wissen.
"Der emotionale Einsatz des Gegenübers", antwortete Kim ohne Zögern. "Wir müssen das berücksichtigen. Stellen Sie sich vor, die Hunde haben eine Wahl, wem sie sich anschließen. Je nachdem, wer ihnen das überzeugendste Feedback liefert?!"
"Die Probanden haben die Anweisung, sich möglichst neutral zu verhalten", leierte Desiree herunter.
Kim warf ihr von der Seite einen Blick zu.
Ja. Sie hatte Recht.
Sobald Lebewesen im Spiel waren, konnte von Neutralität nicht mehr die Rede sein.
"Wir werden sehen", wiederholte sie. Kam sich dabei ziemlich lahm vor.
Kim schnaubte.
Doch als Desiree sie prüfend ansah, blickte sie einfach nur konzentriert vor sich hin.
"Ich vermute, die Hunde werden sich einpendeln und im messbaren Rahmen alle in etwa gleiches Verhalten zeigen. Der Computer simuliert es so", sagte Desiree nach einer Weile.
"Es ist ein Computer."
"Und so teuer wie das ganze Institut."
"Ob ihn das allein dazu befähigt, uns zu erklären, wie ein lebendiges Tier reagiert, wird sich noch herausstellen müssen."
"Sie haben Recht. Vermutlich sind diese TX-Rechner deswegen so kostenaufwendig und so schwer zu bedienen, weil bisher noch nicht bewiesen worden ist, dass sie tatsächlich können, was alle Fachleute behaupten", erwiderte Desiree ruhig.
"Ich denke, ich habe genug", sagte Kim.
Sie näherten sich wieder der rückwärtigen Tür.
Desiree sah auf die Uhr.
Ärgerte sich darüber, weil ihr im gleichen Augenblick klar wurde, dass sie das nur für Kim tat. Es tun musste, um deutlich zu machen, dass sie im Grunde gern noch etwas länger joggen würde. Ihr zeigen wollte, dass sie in Erwägung zog, allein ihren Weg fortzusetzen. Es nur deswegen nicht tun würde, weil die Zeit es nicht erlaubte.
"Ja, sonst wird es knapp", sagte sie und hätte sich dafür gern auf die Zunge gebissen.
Was scherte es Doktor Richardson, ob Desiree aus reiner Geselligkeit oder aus gegebenen Zwängen ihren eigenen Rhythmus dem ihrer Angestellten anpasste?
Wahrscheinlich dachte sie nicht einmal darüber nach.
"Wollen Sie einen Tipp, was die Kameras angeht?", fragte Kim.
"Meinen Sie noch einen anderen außer den, möglichst hübsch auszusehen?", erwiderte Desiree.
Kim hob die Brauen.
Desiree gab sich einen Ruck. Und nickte.
"Ich meine ...", sagte Kim und für die kleine Pause hätte Desiree sie am liebsten trotzig kindisch in die Seite gestoßen. "Sie sind keine zweite Wahl. Stellen Sie sich nicht absichtlich in die zweite Reihe."
Damit wandte Kim sich ab und begann ihre Dehnübungen.
Ein Bein streckte, durchdrücken. Das andere. Rücken beugen, hängen lassen. Seite strecken, loslassen.
Desiree löste sich aus ihrer Erstarrung und beeilte sich, es ihr nachzutun.
Dann schnürte Kim ihre Sportschuhe auf, um in die bereitstehenden Schlappen zu schlüpfen.
"Wir sehen uns ja gleich im Labor", sagte Desiree, die sich dabei ertappt hatte, wie sie der Kollegin einfach nur dabei zusah.
"Was ist mit Morgen?", fragte Kim ihren rechten Schuh.
Desiree sah zu ihr hinab.
Auch von hier oben konnte sie erkennen, dass Kims Wangen glühten. Ihr Atem hing vor ihrem Mund wie silberhelle Versprechen.
Einen kurzen Moment lang dachte Desiree daran, so zu tun als wisse sie nicht, was Kim meinte. `Morgen? Was soll morgen sein?´
Aber dann spürte sie deutlich, wie die klare Luft durch ihre Lungen strömte. Frisch und ermutigend.
"Gerne", sagte sie und wandte sich um.
Aus dem Augenwinkel konnte sie gerade noch Kims verblüfftes Gesicht in Kniehöhe erkennen.

(...)

Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Piper Verlag GmbH (26. Juni 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492254055
ISBN-13: 978-3492254052m