Kurzbeschreibung
Tiffy ist entsetzt. Um ihrer beider Beziehungslosigkeit zu bekämpfen, schleppt ihre beste Freundin Toni sie ausgerechnet in einen Lesben-Single-Tanzkurs. Aber so übel ist das Tanzen gar nicht. Nicht nur, dass Tango und Walzer das Leben bereichern. Da ist auch noch die umwerfende Juliane, die als Tiffys Tanzpartnerin einspringt. Leider zeigt Juliane sich aber etwas verstockt. Als plötzlich düstere Gerüchte über die schweigsame Schöne in der Tanzschule kursieren, weiß Tiffy nicht mehr, wem sie trauen soll: den warnenden Stimmen oder ihrem Gefühl
Leseprobe
"Also", sage ich. "Gehen wir nächste Woche tatsächlich wieder hierhin?"
Toni sieht mich kurz verwundert an. "Wieso denn nicht?"
Ich grunze ungehalten. "Jetzt sag mir doch bitte mal, wieso wir diesen Kurs weiterhin belegen sollten. Du und Natascha und Anke, ihr seid doch auf diesen Schwachsinn gekommen, weil ihr euer Singledasein beenden wollt. Aber davon abgesehen, dass wir vier schon fast die Hälfte des Kurses stellen und schon vor Jahren geklärt haben, dass wir alle untereinander nix voneinander wollen
also davon mal ganz abgesehen, gibt es doch unter den anderen keine einzige, die für so ein Unternehmen infrage käme. Also können wir doch auch gleich
" Ich sehe meiner Freundin ins Gesicht. Und verstumme.
"Toni?", sage ich.
"Hm?", macht sie und schaut total harmlos von dem Postkartenständer auf.
"Toni, du sagst ja gar nichts."
"Was soll ich denn sagen?", fragt sie.
"Na, zum Beispiel: `Natürlich kommt keine von den anderen infrage!´ oder: `Tz, wo denkst du denn hin?!´ oder so was halt."
Toni zieht eine Postkarte aus dem Ständer und hält sie mir hin. "Wie findest du die hier?"
"Toni
", mache ich und lege den Kopf schief. "Du willst doch nicht etwa sagen, dass irgendeine von den anderen Kursteilnehmerinnen dir so richtig gut gefällt? Ich meine, so richtig gut. Vielleicht sogar hundertprozentgut. So gut eben, dass du wegen ihr diesen bekloppten Kurs weitermachen wollen würdest?"
Toni schaut mich kleinlaut an.
Die Eingangstür wird aufgerissen und ein paar Frauen stürmen herein. Sofort ist das Foyer erfüllt mit ihren Stimmen und ihrem Gelächter. Zwei von ihnen haben einen Kinderwagen dabei.
Ich trete näher an Toni heran.
"Welche ist es?", will ich wissen.
Toni guckt peinlich berührt.
Sie hebt den Kopf, um den vorbeieilenden Frauen grüßend zuzunicken.
Die Eingangstür wird wieder geöffnet.
Verdammt, das geht hier ja zu wie im Taubenschlag.
Ich sehe automatisch auf.
Und vergesse von einer Sekunde auf die andere, was ich Toni gerade gefragt habe. Denn ich traue meinen eigenen Augen nicht.
Auf uns zu kommt so etwas wie ein engelsgleiches Wesen.
Sie ist schlank. Sportlich. Obwohl sie in eine dicke Winterjacke eingemummelt ist, ist mir sofort klar, dass sie den perfekten Körper besitzt. Ihre langen dunklen Haare hat sie lässig in einen Knoten am Hinterkopf geschlungen. Ihre von der Kälte blassen Lippen sind leicht geöffnet. Und ihre Augen. Wow. Ich kann ihre Farbe nicht deutlich erkennen. Aber sie sind heller als ich es bei diesen dunklen Haaren erwartet hätte. Voller Lebendigkeit. Voller Feuer.
Sie unterhält sich mit zwei Frauen, die händchenhaltend neben ihr gehen. Besser gesagt, sie hört der einen der beiden Frauen zu, die sturzartig irgendetwas erzählt.
Als sie an uns vorbeigehen, dreht die dunkelhaarige Schönheit für drei Sekunden den Kopf.
Es sind ganz sicher drei Sekunden, nicht nur zwei oder gar nur eine.
Denn eine Sekunde braucht man schon, um zu registrieren, dass da jemand am Postkartenständer steht.
Noch eine Sekunde geht dabei drauf, genauer hinzuschauen.
Und die dritte Sekunde dann, die dritte Sekunde ist dafür da, um ganz zart, einer Andeutung gleich, zu lächeln.
Ich bin nicht mehr ich. Bin nicht mehr hier. Ich fühle mich wie dieser riesen Gong in der Kinderspielzeugwerbung kurz vor Weihnachten. Dieser Gong, der von dem kleinen Jungen volle Kanne den Prengel verbraten bekommt und dann nachhallt als müsse er alle Mönche Tibets zum Abendessen rufen.
Ich starre diesem überirdischen Wesen hinterher, das gerade durch die Tür in Richtung Tanzsaal entschwebt.
(
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Broschiert: 272 Seiten Verlag: Bastei Lübbe GmbH & Co.KG (Bastei Verlag); Auflage: 1 (15. Oktober 2010) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3404165403 ISBN-13: 978-3404165407 Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2,6 cm |
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