Kurzbeschreibung

Drei ganze Jahre dauert es, bis sich zwischen Cornelia, von allen nur »David« genannt, und Maya aus einer innigen Freundschaft eine zarte Liebesgeschichte entspinnt. Doch nach der Abiturfeier verursacht Cornelia einen Autounfall, bei dem Mayas beste Freundin stirbt. Cornelia selbst bleibt, wie durch ein Wunder, unversehrt. Der Unfall reißt eine tiefe Kluft zwischen die jungen Liebenden. Kurze Zeit später gehen sie getrennte Wege. Doch Cornelia kann Maya nicht vergessen. Und so macht sie sich, Jahre später, auf die Suche nach der Freundin ... Ein Roman über Schuld, Vergebung und die Kraft der Liebe zwischen Frauen.

Leseprobe

David erzählt gerne allen, wie sie an diesen irreführenden Spitznamen gekommen ist. Vor allem der hübschen Maya, die sich offenbar in den „vermeintlichen“ Jungen verknallt hat. Doch Maya weiß längst, dass David eine junge Frau und kein Mann ist.

Genau deswegen will sie sie treffen.

Eine wunderbare Liebesgeschichte beginnt. Und könnte ihren Lauf nehmen. Vielleicht für ein ganzes Leben.

Wäre da nicht der Autounfall, den David verschuldet und bei dem die beste Freundin Mayas ums Leben kommt.

SCHULD, Schuldzuweisung und Vergebung sind die großen Themen dieses Romans.


(...)

An diesem Abend ging ich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder mal in die Szene und erwachte am Morgen neben einer hübschen braunhaarigen Frau, an deren Namen ich mich nicht erinnern konnte.

Ich schlich ins Bad, setzte mich aufs Klo und hielt mir den Kopf.

Mir war klar, dass ich meinen Deal mit Gott gebrochen hatte.

Aber irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass er sich mir gegenüber auch nicht unbedingt fair verhalten hatte.

Warum war alles noch da?

Ich rechnete mit den Fingern, weil mein Kopf zu schwer dafür war, und stellte fest, dass es sechs Jahre her war, dass ich Maya das letzte Mal gesehen hatte.

Und neun Jahre waren vergangen seit dem Unfall. Neun Jahre.

Das war eine lange Zeit.

In dieser Zeit war viel geschehen.

Ich hatte das Rauchen angefangen und wieder aufgehört.

Ich war durch Südengland gereist, hatte Urlaub in Spanien, Frankreich, Holland und auf Kreta gemacht.

Die Mauer war gefallen.

Aus Rider war Twix geworden.

Wichtiges und Nichtiges.

Neun Jahre hatten mich älter und – hoffentlich auch – reifer werden lassen. Sie hatten sich in mein Gesicht geschrieben und waren auf meinem Körper, meiner Haut, in meinen Augen zu lesen.

Ich hatte Dutzende von Mündern berührt, doch sie waren nicht in mich gedrungen. Keiner von ihnen hatten Spuren hinterlassen, die in der Lage gewesen wären, jene eine, tiefe, erste zu überdecken.

Ich stand auf, betätigte die Spülung und wusch mir Hände und Gesicht mit kaltem Wasser.

Als ich in den Spiegel sah, wirkten meine Augen riesig groß. Sie waren dunkel und unergründlich, ein Rätsel für die meisten, die in sie hineinsahen.

Vielleicht, sagte ich mir, vielleicht wäre es längst zuende, wenn es weitergangen wäre.

Natürlich. Wir wären noch eine ganze Weile verliebt gewesen. Dazu war das Fieber einfach zu heftig gewesen, als dass es schnell verklungen wäre.

Aber mit der Zeit, neun Jahre sind immerhin eine lange Strecke von Zeit, wäre das womöglich auch zwischen uns geschehen. Das, was wohl allen passiert.

Wie könnte denn eine Liebe bestehen, die im postpubertären Alter von siebzehn Jahren erblühte?

Ich dachte an Maya in einer Polizeiuniform. Eine Farce. Ein Comic.

Wahrscheinlich hätten wir uns auseinander gelebt. Wir hätten es zunächst nicht einmal bemerkt, so gewohnt wäre der Umgang miteinander. Doch die Langeweile, zusammen mit dem Befremden hätten sich durch unser Gemeinsam gefressen. Wir hätten nicht aufhalten können, was dann geschehen wäre: eine schöne Fremde. Ein Augenblicksblinken. Die Verheißung des Neuen und Unbekannten.

Und schon wäre es vorüber gewesen mit uns.

Unsere Freunde hätten bedauernd bemerkt: `Wir dachten, das mit euch, das hält.´ Während wir solche Sprüche nicht mehr hätten hören können.

Was wäre dann, wenn alles so gekommen wäre?

Womöglich stünde ich dann hier, in meinem eigenen Bad, an meinem eigenen Waschbecken, während drüben im Bett eine Fremde schlummerte, und würde mich im Spiegel anstarren.

„Natürlich!“, sagte ich zu mir und nickte bekräftigend. „Natürlich wäre es so gekommen.“

Worüber wollte ich mich eigentlich beklagen?

Worüber wollte Gott sich beklagen?

Ich war nur da, wo ich sowieso gelandet wäre. Egal ob mit oder ohne Unfall. Egal, ob mit oder ohne Maya.

(...)

Broschiert: 303 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 2 (Februar 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492248691
ISBN-13: 978-3492248693
Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12 x 1,8 cm